Geschichte

Sehenswert: Die historische Tribüne

Der Badische Rennverein Mannheim gehört zu den ältesten Rennvereinen im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts – 1822 in Doberan – wurden zum ersten Male Pferderennen in englischem Sinne in Deutschland ausgetragen, Pferderennen, die nicht nur zur Belustigung des Publikums dienten, sondern vielmehr den Zweck züchterischer Auslese hatten.

Der Galopprennsport hat in Mannheim eine große Tradition

1867 wurde der Badische Rennverein Mannheim gegründet.

Seine erste Veranstaltung fand 1869 statt. Ältere Vereine in der Bundesrepublik sind: Düsseldorf (1844), Hamburg (1852), Bremen (1857) und München (1865).
Fast alle bedeutenden Rennvereine der Bundesrepublik sind somit jünger. Bild: Rennbahn_01.jpg

Die erste Veranstaltung 1869 fand bei der Mannheimer Bevölkerung bereits eine außergewöhnliche Resonanz. Es waren 10.000 Besucher erschienen, eine auf heutige Verhältnisse umgesetzt imponierende Zahl. In den folgenden Jahren gewannen die Pferderennen in Mannheim an weiterer Popularität, insbesondere die anläßlich des Maimarktes veranstalteten "Mai-Rennen" waren wahre Volksfeste.

 

Die Rennbahn, die ausgehend vom Areal der ehemaligen Rennwiese nach Osten über die Riedbahn und nach Westen in den Unteren Luisenpark bis fast an die Werderstraße reichte, gehörte zu den imposantesten des gesamten damaligen Deutschen Reiches. 

 
 

 In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg lag der Schwerpunkt der Rennen auf dem Gebiet des Amateursports. Offiziers- und Herrenreiter-Rennen waren die Zugnummern dieser Zeit. Das herausragende Ereignis war die international ausgeschriebene "Badenia", ein Hindernisrennen über lange Distanz, eines der bedeutendsten Hindernisrennen Deutschlands in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Rennpreise der Badenia standen in Konkurrenz mit denen des "Großen Berliner Jagdrennen" in Karlshorst, der weitaus bedeutendsten Hindernisbahn in Deutschland, und des "Kronprinzenpreis" in Magdeburg. Die Aufgeschlossenheit und das Interesse der Mannheimer Bevölkerung zu "ihren" Rennen brachte es mit sich, daß die Popularität der Rennen nicht nur in den Besucherzahlen, sondern auch im Totoumsatz ihren Niederschlag fand. Der Totalisator, der es seit 1905 jedem Rennbahnbesucher ermöglichte, die Pferde, denen er Chancen einräumte, mit einem bestimmten Geldbetrag zu wetten, brachte eine ungeheuere Animation des Interesses mit sich. In Mannheim wurde z.B. im Jahre 1911 allein für die Badenia der Betrag von 100.000 Goldmark am Totalisator umgesetzt. Besucherzahl und Totoumsatz in Mannheim waren erheblich größer als die vergleichbarer Städte. Die Ausstrahlungen der Mannheimer Pferderennen erstreckten sich auf den ganzen südwestdeutschen Raum. Frankfurt am Main, heute der bedeutendste Rennplatz in diesem Gebiet, Haßloch und eine ganze Reihe anderer Plätze wären nicht entstanden, wenn nicht der Einfluß von Mannheim ausgegangen wäre.

Spannende Rennen und eindrucksvolle Kulisse; ein Bild am Ende der 20er-Jahre
Rennen Ende der 20er-Jahre

Die Zeitumstände brachten einen erheblichen Rückschlag

Der Pferdezucht- und Rennverein Mannheim-Seckenheim kann auf eine über 80jährige Tradition zurückblicken. Ursprünglich rein auf die Pferdezucht ausgerichtet, veranstaltete er auch Pferderennen seit dem Jahre 1909. Nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg wurde der Rennbetrieb 1920 wieder aufgenommen. Im Jahre 1926 wurde die erste Seckenheimer Waldrennbahn als Sandbahn ausgebaut. Sie fiel 1934 dem Autobahnbau zum Opfer. Die damaligen Zeitumstände brachten einen erheblichen Rückschlag in der Arbeit des Vereins, der erst 1949 mit der Neubelebung des Vereins aufgeholt werden konnte. Der Bau einer neuen Rennbahm fand unter größten persönlichen Opfern statt. Die Erfolge des Vereins in den Jahren nach 1951 gaben der Initiative der Verantwortlichen recht. Besucherzahlen von 10.000 bis 15.000 waren in den fünfziger Jahren keine Seltenheit. Allerdings war die Anlage den steigenden Erfordernissen eines aufstrebenden Vollblutsports in der Bundesrepublik nicht gewachsen. Die Zurückhaltung bedeutender Rennställe, gute Pferde nach Seckenheim zu entsenden, hatte einen Rückgang des Publikumsinteresses zur Folge. Man war sich darüber klar, daß die Weiterführung der Veranstaltungen in dem bisherigen Rahmen keinen der Stadt Mannheim adäquaten Beitrag zum Vollblutsport darstellen konnte.

Die Fusion schuf eine neue Grundlage

Die Konsequenz war der Zusammenschluß beider Vereine, desjenigen, der die große alte Tradition der Mannheimer Pferderennen geschaffen hatte, und desjenigen, der aus kleinen Anfängen heraus das Rennsporterleben des Mannheimer Publikums in der Nachkriegszeit zu bewahren versuchte. Das Feld ist ein anderes geworden. Die Atmosphäre, die den Pferdesport in Mannheim groß gemacht hat, die Atmosphäre der Offiziere, der Herrenreiter gehörte einer vergangenen Epoche an. Die Kavallerieregimenter sind verschwunden. Der Rennsport, die Vollblutzucht hat sich auf eine andere Grundlage verlagert, keine schlechtere, eine ebenso auf Begeisterung für das edle Pferd, für den grünen Rasen, für die prickelnde Atmosphäre des Rennsports basierende Grundlage.